Herzens bin und nie mit Vorbedacht Böſes ge⸗ than habe?“
Eine heilige Scheu hatte ſie ſeither immer ab⸗ gehalten, dem Bombeerſtrauch zu nahen, aus dem ſo lange jener wunderbare Geſang ertönt war. Jetzt, wo derſelbe verſtummt und ſtatt des lieb⸗ lichen Liedes ein Schrei des Schreckens plötzlich aus dem dichten Buſch hervordrang, begehrte ſie lebhaft nach einer Aufklärung des Geheimniſſes, die ihr aber die dornigen, dicht in einander ver⸗ ſchlungenen Zweige der Sträucher unmöglich zu machen ſchienen. Doch ſchnell war ihr Entſchluß gefaßt; und was noch jüngſt als Geheimniß ihr ſo heilig und unnahbar geweſen war, ſollte ſich ihr jetzt entweder offenbaren oder ſie für immer von dem Hügel halten. Sie eilte darum nach Hauſe und kehrte ſogleich wieder im raſcheſten Lauf mit einem Hackbeil unter der Schürze zu⸗ rück, das ſie aus der Küche genommen hatte. Ein kurzes Gebet, ein muthiges:„Hilf Gott alle⸗ zeit, Amen!“ und ein kräftiger Hieb entfernte die erſten Zweige; das Rothkehlchen flog ängſtlich zwitſchernd davon, Marillis aber, ſonſt ſo mild und gütig, achtete dießmal nicht der armen Creatur und ihr Beil arbeitete immer weiter dar⸗


