ſamere und auffallendere Wahrnehmung ihre Sorgen nach einer andern Seite gerichtet. Drei Abende ſchon weilte ſie nämlich lauſchend auf dem Hügel und der wunderbare Geſang wollte nicht mehr wie ſonſt zur gewohnten Stunde er⸗ tönen. Der ſonnbeglänzte Felſen blieb ſtumm wie die andern Steine in der Runde, und nur der Abendwind flüſterte ſchaurig in dem Strauch⸗ werk der Brombeerhecken. Da, am vierten Tage, als ſie wieder vergebens mehrere Stunden auf den ſüßen Klaggeſang gelauſcht hatte, ergriff ſie eine unſägliche Traurigkeit und ſie fühlte ſich wie verlaſſen und abgeſchieden von ihrer letzten und einzigen Lebensfreude. Heiße Thränen floſſen auf den harten Stein, der ihr ſo lange Troſt geſpendet, der ihre Seele ſo oft mit ſeinem wun⸗ derbaren Klang aus der Noth des Lebens in die liebliche Welt goldner Träume und lichter Offen⸗ barungen eingewiegt hatte.
Da plötzlich ſchlug ein dumpfer, gräßlicher Schrei, der keiner Menſchenbruſt anzugehören ſchien, dicht aus dem Brombeerſtrauch an ihr Ohr, wie wenn am jüngſten Tage ein Einziger von allen, die da auferſtehen, zu ewiger Grabesnacht verdammt wird und in der Erde zurückbleiben muß.


