Teil eines Werkes 
2. Band (1859)
Entstehung
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Urtheil unvermögend war ein Zuſtand der Exaltation und des Nervenüberreizes, von dem es unmöglich war, ihn anders als durch widerſpruchloſe Fügſamkeit in ſeine wunderlichen Launen allmälig wieder zurückzubringen.

Mit ihrem ſicheren Takt und ihrer genauen Kenntniß ſeines Charakters ergriff ſie ſchnell dieſes Mittel, ihn zu beruhigen. Sie erklärte ſich bereit, allen ſeinen Wün⸗ ſchen und Befehlen Gehorſam zu leiſten und ſich mit den Schweſtern gerne in die künftige häusliche Abge⸗ ſchloſſenheit zu fügen; ja, ſie ſelber fand noch einzelne zweckmäßige Einrichtungen, wie man ſich von der feind⸗ lichen Welt und ihren Nachſtellungen am beſten ſchützen könne und war der Meinung, daß man vor Allem das Hausmädchen entlaſſen und ſich mit der treubewährten Köchin behelfen müſſe, da Erſteres ſich gewiß nicht für die Dauer zu einem ſolchen ſtrengen Kloſterleben ver⸗ ſtehen werde. Ihre Nachgiebigkeit und ihre verſtändigen Rathſchläge erfreuten den Alten ungemein; er bat ſie, ihren Schweſtern die Nothwendigkeit dieſer neuen Haus⸗ und Lebensordnung von der beſten Seite darzuſtellen und geſtattete ſogar von freien Stücken täglich eine Stunde für die Bewegung in der friſchen Luft inner⸗ halb des Bezirks des Gartens. Dann ſagte er wohl⸗ gemuth:

Beſtelle nur das Abendbrod, mein Kind, ich bin wirklich recht hungrig.