Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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Denn in welchem Gefühle könnten ihre Herzen den Glauben an die Weihe, ja an die höhere Vorausbeſtim⸗ mung ihrer Liebe wahrhafter und dauernder begründen, als im Andenken an das edle unglückliche Geſchwiſter⸗ paar, deſſen trauriges Geſchick ſich ſo innig mit ihrer eignen glücklichen Liebe verwebte, daß die Roſen dieſer und die Grabcypreſſen Jener ſich ihnen zu einem ein⸗ zigen holden Symbole vereinen, welches ihnen immer⸗ dar ſagen wird, daß unendliches Glück und unendliches Weh oft ſo dicht neben einander dem nämlichen Boden entwachſen, wie Roſe und Cypreſſe.

Im Frühjahr ſoll die Hochzeit ſein, Eliſabeth trägt ſchon lange den Brautring ihrer ſeligen Mutter neben dem goldnen Reif Ludwig's, aber das Trauerkleid will ſie erſt an dem Tage ablegen, wo ſie dem Geliebten im hellen Schmuck ihrer bräutlichen Schönheit zum Altare folgt. Wie Viel gibt's da nicht noch zu ſchaffen und zu ſorgen von früh bis ſpät, ſo daß ſich ſogar bei Herrn Felix ganz im ſtillen Hintergrund ſeiner Seele zuweilen wieder der alte Aerger regt über dieUnbequemlichkeit, die ein Schwiegerſohn im Hauſe verurſacht und ihm dann der üble Humor bei dieſer häuslichen Unruhe mitunter deutlich genug im Geſichte geſchrieben ſteht. Aber ein Tag kam doch, an welchem er wiederum