Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

243

Gott dafür danken mußte, daß er einen Menſchen hatte, vor dem er ſein ganzes Herz ausſchütten konnte, ohne fürchten zu brauchen, von ihm mißverſtanden zu werden. Es war das ein klarer Februartag, und auf des alten Herrn Antlitz, als er von einem Beſuche bei ſeinem Bruder zurückkam, ſtand die umwölkte Stirne und der feierliche Ernſt ſeiner Züge in einem ſonderbaren Con⸗ traſt mit demſtrahlenden, faſt triumphirenden Blick ſeiner grauenTanberaugen. Trotzdem es ihm vortrefflich ſchmeckte, ſprach er doch bei Tiſche kein Wort, wohl aber ruhte ſein Auge oft lange ſinnend auf Ludwig und Eliſabeth. Es war ganz das alte Weſen an ihm, wenn ihm eine Sorge, ein Aerger mehr als billig die böſen Lebensgeiſter aufſtörte. Nachdem er ſeine Serviette mit der gewohnten Acecurateſſe zuſammengelegt und das Zei⸗ chen zum Aufſtehen gegeben hatte, faßte er Ludwig am Arme, blickte ihn lange halb forſchend, halb zerſtreut an und fuhr plötzlich grimmig gegen ſeine Töchter auf: Was ſchnattert Ihr denn da ſo unaufhörlich? Geht hinunter an Eure Näharbeit, ich habe Moſer an Etwas zu erinnern, was zwar ſchon eine geraume Weile her iſt und woran er vielleicht ſelber nicht mehr denkt worüber ich ihm aber jetzt ganz genaue Anskunft geben kann. Nachdem die Mädchen auf ſeinen herriſchen Wink das Zimmer verlaſſen hatten, trat er dicht vor den jungen

Mann und ſagte mit einem ironiſch gutmüthigen Lächeln: 16*