Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

238

anders wie ſonſt ich weiß nicht, was es iſt aber ſchon vorhin, wie Du an mein Bett trateſt und mir guten Morgen wünſchteſt, ſah ich etwas Fremdes an Dir! Deine Aungen ſind geröthet und Deine Hände o Gott, ſind kalt wie Eis!

Mir iſt ganz wohl, verſicherte ſie wohlgemuth. Al⸗ lerdings hatte ich eine ſchlechte Nachtruhe ich kann nun einmal nicht beim Mondlicht ſchlafen und hatte vergeſſen, die Fenſterläden zu ſchließen.

Nein, nein! ſagte Anna gereizt, es iſt auch ſonſt noch Etwas an Dir, was mich ängſtigt! Ich bitte Dich um Gotteswillen, Lisbeth, rief ſie und ſetzte ſich raſch im Lager auf Du mußt mir jetzt gleich ſagen, was Du in Deinem Geſichte haſt?

Kind, ſei doch klug, mich fröſtelt blos ein wenig! entgegnete ſie und wollte laut über der Freundin Be⸗ ſorgniß auflachen; aber da ſchnitt es ihr plötzlich wie ein Meſſer durch's Herz, nur ein einziger heller Weh⸗ ſchrei entrang ſich ihren Lippen, dann ſtockte ihr Athem, ſie mußte ſich am Tiſche feſthalten.

Was iſt denn das! ſprach Anna und ſank zugleich wie von einer unſichtbaren Hand getroffen, in's Kiſſen zurück. Denn eben läuteten viele Glocken, Eliſabeth fiel auf den nächſten Stuhl, Anna's Augen ſtanden ſtarr und groß auf die mit einer Ohnmacht ringende Freun⸗ din gerichtet.