Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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warten, bis mir die Gnade des Herrn ſo viel Kraft und Stärke verleiht, um ihr gleichfalls mit heiterem An⸗ geſicht nahen zu können!

Der Arzt ergriff dann ſchweigend Ludwig's und Eliſabeth's Hände und führte Beide nach Anna's Stube hinunter. Bevor er die Thüre öffnete, ſagte er mit leiſer Stimme zu ihnen:

Nun gilt's Muth, Ihr glücklichen Herzen! Aber glau⸗ bet einem alten Manne: Was Ihr heute der ärmſten Schweſter thut, wird Euch ein guter Himmel lange nicht vergeſſen! So überlaß' ich Euch denn getroſt Anna's Leben und gehe ſelber wieder hinauf zu unſerm alten Herrn.

Mit dieſen Worten öffnete er ſachte die Thüre und

ſchob Beide hinein. Als ſie durch das vordere Zimmer leiſe in das Cabinet eintraten, hatten ſie einen Anblick, der ihre Kraft auf eine noch ſtärkere Probe ſtellte, als wenn ihnen Anna ſogleich durch die ungeduldige Frage nach Conſtantin die Herzen erſchüttert hätte. Sanft ſchlum⸗ mernd lag ſie im Bette, ein freundlicher Traum ſpielte in ſeligem Lächeln um die halbgeöffneten Lippen und hauchte eine feine durchſichtige Röthe über die bleichen ſchönen Züge, ſo daß ſie ſelber des Schlafes holder verkörperter Genius zu ſein ſchien; aber für die Lie⸗ benden hatte dieſes rührende Bild noch eine höhere Be⸗ deutung, und Beide fühlten es zugleich ohne Worte, ohne