— 197—
ſtantin kein Wort davon ſagen; denn das fürcht' ich beinahe: meine Einmiſchung könnte ihn gegen alle Gründe der Vernunft und des eignen Vortheils taub machen; zwiſchen uns ſcheint es in dieſer Welt zu kei⸗ ner Verſtändigung mehr kommen zu ſollen!— Was iſt Deine Meinung über letzteren Punkt, mein liebes Kind?
Dieſe Frage ſetzte Eliſabeth in keine geringe Verle⸗ genheit; denn ſie kannte die übergroße Reizbarkeit des Onkels in Allem, was ſeinen Neffen anbetraf und hatte längſt aus einzelnen Aeußerungen, die ihm entſchlüpft, den ſchmerzlichen Kampf ſeines Innern zwiſchen Reue und jahrelang genährtem Vorurtheil errathen, den die jüngſten Vorgänge in ſeiner Familie endlich zu Gunſten Conſtantin's entſchieden, ſo daß ſie überzeugt war, der Onkel hege kaum noch einen größeren Wunſch, als ſeine Ausſöhnung mit dem Neffen.
Nicht ohne Zögern ſagte ſie daher:
Laß auch hier die Zeit walten, lieber Onkel. Was Conſtantin gegen Dich verſchuldet hat, iſt ihm ja längſt, das weiß ich, von Dir im Stillen verziehen worden. Aber auch er wird in glücklicheren Verhältniſſen endlich das Gefühl der Bitterkeit ablegen und einſehen, daß, wenn ihm wirklich von Dir zu Viel geſchehen, Deine ſo ſchwer durch ihn gekränkte Liebe ſelbſt Härte und Un⸗ gerechtigkeit entſchuldigt.
So? So? Ich war alſo wirklich hart und ungerecht


