ihnen die Heuchlermaske ihrer falſchen Liebe vor die Füße ſchleudern! Ich habe dazu den Anfang gemacht und meine Anna folgt nach, was meinſt Du, Freund, iſt das nicht das gleiche Blut?
Ludwig ſah den Freund, den während dieſer Worte eine Fieberhitze nach der andern überflog, nicht ohne tiefe Beſorgniß an; denn nimmer hätte er es für mög⸗ lich gehalten, daß dieſer unverwüſtlich ſcheinende Menſch mit dem athletiſchen Körper und den Muskeln von Stahl in eine ſo heftige Gemüthsbewegung hineingerathen könne, ſo daß er an allen Gliedern zitterte und jeder Nerv in ihm krampfhaft aufzuckte.
Schone Dich nur, mein Beſter! bat er ihn daher mit herzlicher Stimme.— Ich gönne Dir wahrlich gerne das Glück und begreife auch die Freude, daß Du end⸗ lich Deiner Anna Bruder ſein darfſt in des Wortes vollſter ſchöner Bedeutung; wahrlich, nicht umſonſt ſollt Ihr ſo lange in dieſen unnatürlich getrennten Verhält⸗ niſſen gelebt haben, ſie begünſtigt und gehoben von den nämlichen Menſchen, die Dich ſo ſchmählich mißhandelt und fallen gelaſſen haben! Aber Eins thut vor Allem Noth, mein Freund, daß Du über der Bruderliebe nicht die Klugheit aus den Augen ſetzeſt. Bedenke, daß Anna noch im Hauſe des Oheims lebt, der zugleich ihr Vor⸗ mund iſt, daß ſie noch unter dem Einfluß von Men⸗


