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Du das Vorurtheil der Philiſter und Mucker gegen dieſen Stand?
Dazu kennſt Du mich, ſollte ich denken, zu gut, entgegnete Ludwig, ohne ſich durch den bitteren Ton in Conſtantin's Frage verletzt zu fühlen.— Das Vorurtheil
ſelbſt iſt es, das ich in dieſem Falle allein fürchte; denn
bedenke nur...
Was iſt da zu bedenken! fuhr Conſtantin auf und ſeine Stimme bebte. Sie liebt ihn— das iſt für mich genug, und ich— als einziger Bruder, habe hier allein zu entſcheiden.— Wehe dem, der mir dieſes Recht ſtreitig macht! Mich mögen ſie meinetwegen maltraitiren und verläſtern, wer aber ihrem Glücke in den Weg tritt, den ſchlag' ich nieder wie einen tollen Hund— Gott verdamm' mich!
Noch nie hatte Ludwig den Freund in dieſer furcht⸗ baren Aufregung geſehen, er zitterte wie in Fieberſchauern, ſein Geſicht war erdfahl geworden und das wilde Funkeln ſeines einen Auges, während das andere ſtarr und un⸗ beweglich blieb, hatte in der That etwas recht Unheim⸗ liches,— der ganze Menſch war in einem Zuſtand von Exaltation und Reizbarkeit, in dem ihn das Geringſte außer ſich brachte. Augenſcheinlich war auch er von dem Unglück der geliebten einzigen Schweſter feſt überzeugt; aber eben deßhalb lehnte er ſich auch mit ſeiner gan⸗
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