Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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und Bedrohniſſen daran knüpfte, ein volles Bekenntniß ſelbſt mit aufrichtiger Reue über die ſeitherige Zurück⸗ haltung gegen ihn abzulegen. Der Gedanke gewährte ihm einigen Troſt, daß er zugleich Conſtantin's Hülfe und treue Freundſchaftsdienſte in Anſpruch nehmen, ja von ihm die Beſeitigung einer wirklichen, ſeiner Liebe drohenden Gefahr erbitten wollte; denn wo gab es einen großmüthigeren Freund in ſolchen Nöthen, als Volk⸗ hauſen, der grade, hochſinnige Menſch, deſſen ganzes äußeres Unglück ja eben in dieſem völligen Mangel an praktiſcher Nützlichkeitstheorie und Rückſichtnahme auf den eignen Vortheil beſtand? Ein Menſch, der ſeinem höheren Geiſtesdrang und ſeinem unabhängigen Charak⸗ ter ſo große Opfer an Glück und einer geſicherten Le⸗ bensſtellung gebracht hatte, war gewiß nicht im Stande, das Glück eines Freundes zu beneiden, oder ihm gar feindlich entgegenzutreten, ſelbſt wenn es ihm die ſchwerſte Reſignation koſtete, ſelbſt wenn er ſich ſagen mußte: Ohne ihn wär'ſt du vielleicht der Glückliche!

Er fand wie gewöhnlich Conſtantin's Stbenthüre verſchloſſen, an die doch ſchon ſo lange kein ungeduldiger Gläubiger mehr gepocht hatte; auch heute that ſie ſich erſt auf, als Ludwig den Freund beim Namen rief, worauf dieſer ſogleich von ſeinem aus Folianten und einem alten Pferdehaarpolſter improviſirten Divan auf⸗ ſprang und den Riegel zurückſchob. Trotz der bereits