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er wohl wirklich, wie Eliſabeth glaubt, die Nachricht von meiner Verlobung ſo ſchwer empfinden wird? Ob er noch gar keine Ahnung davon hat, daß es zwiſchen ihr und mir fernerhin keinen Platz mehr für ihn giebt?
Dieſe Frage war allerdings keine ſo zufällige, als es vielleicht auf den erſten Blick ſcheinen möchte; Lud⸗ wig's Bedenken hatten vielmehr einen ſehr triftigen Grund in Wahrnehmungen, die er in den letzten Tagen an dem Freund gemacht hatte und denen er wohl nur in der Trunkenheit ſeines eignen Glückes bis jetzt keine nähere Prüfung geſchenkt hatte. Denn ihm war ſeit jenem Ballabend die große Zerſtreutheit und das inſichge⸗
kehrte Weſen Conſtantin's nicht entgangen, ſo wenig als
die plötzlichen Ausbrüche wilder Luſtigkeit, in denen er ſich gewaltſam einem dunklen Gram ſeiner Bruſt zu entreißen ſtrebte; auffallend genug zumeiſt dann, wenn er mit Ludwig allein zuſammen war, während er im größeren Freundeskreis, wo es laut und bunt durch⸗ einander zuging, meiſt ſtumm und inſichgekehrt da ſaß und al Stichelreden und Anſpielungen auf ſeine alt⸗ bekannte„periodiſche Melancholie“ ruhig über ſich er⸗ gehen ließ.
So war es erklärlich, daß Ludwig nicht ohne eine geheime innere Befangenheit heute nach des Freundes Wohnung ging, um dieſem endlich von ſeinem Verhält⸗ niß zu der ſchönen Couſine und was ſich an Sorgen


