Die Geheimeräthin hatte ſpeben unter wachſendem Mißmuth den Bericht des Kammerregiſtrators zu Ende gehört, als ihr finſterer Blick zufällig durch's Fenſter auf die Straße fiel und ſie unter den Kirchengängern ihren alten Freund Ekhof gewahrte, welcher in ſeinem ſchlichten braunen Sonntagsfrack und der ausnahms⸗ weiſe geordneten grauen Wollperrücke, das Geſangbuch unterm Arme, an ihrem Hauſe vorüber der Kirche zu⸗ ſchritt, deren Frühgottesdienſt er regelmäßig zu beſuchen pflegte.
Kaum bemerkte ſie ihn, als ſie in ihrer Zorneshitze, denn er war ja der Lehrer dieſer inſolenten, jungen Leute, die ihr äſthetiſches Regiment anzuerkennen ſich weigerten, das Fenſter aufriß und ohne Rückſicht auf Ethof's frommen Morgengang, ohne Rückſicht auf die Vorübergehenden zu nehmen, ihm auf Franzöſiſch zurief:
„Lieber Ekhof, auf ein Wort, wenn's gefällig iſt, ich muß Sie ſogleich ſprechen; bemühen Sie ſich herauf, Sie kommen noch immer früh genng zur Predigt!“
Man ſah es ſeiner Miene, ſeinem ganzen Weſen an, daß ihn dieſe wenig rückſichtsvolle, faſt einem Befehle gleichkommende Art von Einladung, Angeſichts ſo vieler


