und Moliére' ſche Stücke las, ſo viele ſich veren in der Bibliothek ſ ſeines Herrn vorfanden.— Da er aber nicht blos als Schreiber verwendet wurde, ſondern ſich auch anderen häuslichen Dienſtverrichtungen, als Stiefel⸗ putzen, Kinderwarten und Markteinkäufen unterziehen mußte, ward ihm dieſe drückende Lage immer uner⸗ träglicher, und in ſeinem zwanzigſten Jahre verließ er das Haus des Advokaten, als ihm die hochmüthige Frau deſſelben zumuthen wollte, bei ihren Beſuchen in der Stadt in einer hechtgrauen Livree hinten auf dem Wagen zu ſtehen.— Im Jahre 1740 betrat er zum Erſtenmal in Lüneburg das Theater und von da an war ſein Leben bis zum jetzigen Augenblick unausge⸗ ſetzt der Kunſt gewidmet, zugleich war aber auch dieſes Leben eine faſt ununterbrochene Kette von Leiden und
Prüfungen jeder Art. Denn von einer bleibenden Stätte, oder auch nur von einem„Warmwerden“ an dieſem oder jenem Orte war im Verlaufe von länger als vier⸗ zig Jahren keine Rede bei ihm, und mit Recht konnte er ſich darum dem irrenden Ritter vergleichen, der endlich, als er nach langen Fahrten einen häuslichen „Herd gefunden hatte, ſtatt auf dem Kopfkiſſen, auf dem Sattel ſchlief und, zu Pferde ſitzend, ſeinen Bauern in der Dorfkirche ihre Kinder über die Taufe hielt.—


