muth dazu gebrach!— Denn wahrlich, keine andere Kunſt gleicht dem Menſchenleben auch in ſeiner Ver⸗ gänglichkeit und Abhängigkeit von äußeren Umſtänden mehr, als die, welche eben dieſes Menſchenlebens flüch⸗ tige Geſtaltung im Bilde der ſinnlichen Täuſchung dar⸗ zuſtellen berufen iſt; keine Farbe, kein Marmor, keine Melodie, keine Sprache ſichert ihr Dauer für die Nach⸗ welt, und wo ihr die Prieſter fehlen, erliſcht auch bald auf ihren Altären die reine Flamme ihres Cultus.“ Hierauf erzählte er ihnen in ſeiner ſchlicht herzli⸗ chen Weiſe die Geſchichte ſeiner Jugend, wie er ſeine Kindheit als Sohn eines armen Hamburger Stadt⸗ ſoldaten in einer Kellerwohnung der Vorſtadt St. Petri in größter Dürftigkeit verlebte, faſt ohne Schulunter⸗ richt aufwuchs, dennoch aber ſchon frühe einen heftigen Drang nach Ausbildung in ſich verſpürte, ſo daß er ſich glücklich ſchätzte, als ihm in ſeinem ſiebzehnten Jahre ein Altonaer Advokat das Anerbieten machte, als Schreiber in ſeine Dienſte zu treten. Denn dieſer Mann hatte eine ausgewählte Bibliothek, darunter vornehmlich die beſſeren Dichter des In—- und Auslan⸗ des; und der junge wißbegierige Menſch benutzte dieſe, günſtige Gelegenheit ſo eifrig, daß er oft Nächte lang
heimlich beim Scheine einer Stalllaterne Goldoni'ſche


