Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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benes Gemüth und ein gefühlvolles Herz. Darum fuhr er nach einer Pauſe gutmüthig weiter:Ach nein, ſo ſchlimm ſteht es gewiß nicht mit Ihnen, und ohne Sie zu kennen und von Ihrem vergangenen Leben etwas zu wiſſen, hege ich doch eine beſſere Meinung von Ihnen, als Sie ſelber. Sie mögen vielleicht aus Leicht⸗ ſinn, aus Mangel an Welt⸗ und Lebenskenntniß gefehlt haben; aber gerade Ihre ſchwere Selbſtanklage über⸗ zengt mich von der Aufrichtigkeit einer Reue, die ich an einem jungen Menſchen höher ſchätze, als manche andere regelmäßige Tugend. Ah, gewiß ich leſe das in Ihren lebhaften Augen hat eine edle Schwärmerei, eine übergroße Empfindſamkeit Sie in dieſen ſchlimmen Conflict mit Ihren guten Eltern und Ihrem eignen Herzen gebracht!

Der Jüngling zuckte zuſammen und der ſtaunende Blick, womit er bei letzterer Bemerkung den Alten anſah, ſagte dieſem beſſer als Worte, daß er in ſeiner innerſten Seele geleſen habe.

Das iſt keine böſe Art, mein junger Freund, das nimmt mich wahrhaftig ganz und gar für Sie ein, fuhr der alte Herr in ſeinem treuherzigen Tone weiter. Jammerſchade, daß wir dieſe Unterhaltung nicht noch Aber ich habe Eile,

ein Weilchen fortſetzen können!