Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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an dieſe beſchwerliche Reiſeart mit einem ſchweren Torniſter auf dem Rücken gewöhnt. Dennoch zeigte ſein rundes blühendes Geſicht, trotz der körperlichen Erſchöpfung den fröhlichen Muth der Jugend und aus den lebhaften Augen ſprach ebenſoviel Verſtand und

ſichere Urtheilskraft, als keckes Selbſtvertrauen und

eine ſchnelle Auffaſſungsgabe.

Beim Anblick des alten, in tiefes Nachdenken ver⸗ lorenen Mannes blieb der junge Wanderer verwundert ſtehen und betrachtete voll Antheil die ehrwürdige Ge⸗

ſtalt mit dem gramdurchfurchten Antlitz. Langſam ließ

er den ſchweren Torniſter von den Schultern auf das Brückengeländer niedergleiten, um ſich eine kurze Raſt zu gönnen; doch wagte er nicht den Alten anzureden, den er in einem ſtillen Gebete begriffen wähnte und beſchloß daher ruhig abzuwarten, bis Jener ſeine Gegen⸗ wart bemerken würde. Auch war es bald gewiß nicht mehr die Neugierde allein, was ihm die Erſcheinung des Alten ſo anziehend machte; denn immer deutlicher ver⸗ riethen die Züge des Jünglings eine tiefe Rührung, als wenn plötzlich Erinnerungen in ihm erwacht wären, die ihn vielleicht, fern von Heimath und Familie, mit doppelt ſchmerzlicher Gewalt übermannten; mechaniſch griff er in ſeine Bruſttaſche und holte ein kleines Mi⸗