Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Geſtalt des alten Mannes, welcher, beide Hände auf den Stab zuſammengelegt, fortwährend unverwandt nach dem Waſſer hinabblickte und vielleicht kaum mehr an den Zweck ſeines Hierſeins dachte, ſo gänzlich ſchien ſein Geiſt in weiter Ferne verloren, als wenn er, was ihm noth thue und was er vergebens in der Welt der wirklichen Dinge zu erreichen trachte, irgendwo in den Räumen der Unendlichkeit ſuchen wolle. Oder waren es die Erinnerungen einer beſſeren Zeit, waren es die trauten Geſtalten ſeiner ihm in's Jenſeits vorangegan⸗ genen Lieben, die vor ſeinem inneren Auge vorüber⸗ wandelten, daß die ernſte Schwermuth in ſeinen Zügen ſich allmählig in ſtilles Hinträumen verwandelte; ge⸗

nug, ſeine Seele war ſo vollkommen den Eindrücken der Außenwelt entrückt, daß er weder auf das Geräuſch

nahender Schritte, noch auf die Erſcheinung des jun⸗ gen Wanderers achtete, der jetzt vom Dorfe her auf der nach Gotha führenden Landſtraße der Brücke zuge⸗ ſchritten kam, ſichtbar erſchöpft und durch ſeinen hin⸗ kenden Gang verrathend, daß ihn die Füße ſchmerzten.

Es war ein junger, etwa neunzehnjähriger Menſch von wohlproportionirtem Aeußeren, nach ſeiner ſtädtiſchen Kleidung und ſeinem gebildeten Weſen zu ſchließen, der Sohn wohlhabender Eltern und gewiß noch wenig