endlich:„Zunächſt, Herr Otte, in weſſen Auftrag kom⸗ men Sie?“
„Im Auftrage Ihres Herrn Gemahls, und dann getrieben von der Hoffnung, Sie werden ſelbſt erbötig ſein, einen Schritt zu thun, welcher Ihnen die Gewiß⸗ heit giebt, daß dadurch Ihren werthen Eltern ein neuer ſchwerer Schlag erſpart werde“, gab Otte zur Antwort; „doch hier iſt zuvörderſt Herrn Auheim's Brief, der mich legitimirt!“
Leonie nahm den Brief, erbrach und überlas
ihn mit einiger Aufmerkſamkeit, wobei ſie jedoch Sorge
trug, ihn ſo zu halten, daß Otte ihr Geſicht und alle ihre Affecte darin ſehen konnte. Ihre Züge drückten anfangs Erſtaunen und Befremdung aus, dann ſchien ſie ein flüchtiges Erröthen zu unterdrücken, ward ern⸗ ſter und überlas den Brief zum zweiten Male.
Hätte ſie in Otte's Gedanken leſen können, ſo würde ſie gefunden haben, daß er ſie beſſer durchſchaute, als ſie ahnte. Sie iſt eine herzloſe Kokette, eine ärm⸗ liche Komödiantin, dachte er; ſie macht hier vor mir eine pose, wie eine Schauſpielerin; ſie will mir zeigen, daß ſie als Frau hübſcher geworden iſt, wie ſie als Mädchen war; daß ſie eine gewiſſe ſinnlich reizende
Schönheit hat, die jedoch nur ein froſtiges, leeres, arm⸗ ſeliges Herz verdeckt. Ich ſehe voraus, daß mein Be⸗


