Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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fen der Lippen;nun ja, ſie hat hübſche Umgangsfor⸗ men und viel Routine; allein im Grunde iſt ſie lange nicht ſo viel wie ſie zu ſein ſcheint, und ich wenigſtens habe in ihr weder eine Freundin noch eine Mutter ge⸗ funden. Von ihrem Einfluß auf mich erwarte ich nichts. Sie iſt ſeit fünfzehn Monaten Papa's Gattin und Herrin dieſes Hauſes, aber ſie hat ſich noch nicht einmal her⸗ beigelaſſen, mein Vertrauen zu erwerben oder das herz⸗

liche Entgegenkommen, womit ich mich ihr näherte, zu

erwidern. Nein, von ihr werde ich nichts lernen; ich werde nichts thun, was ſie verlangt, ſondern nur das Gegentheil, denn ich ſehe deutlich, ſie liebt Papa nicht; ſie hat nur ſein Geld und ſeine Lebensſtellung gehei⸗ rathet. Ich Sein arme Schweſter Ottilie, dieſes treffliche argloſe Herz, wenn ſie in dieſem flachen Weibe endlich enttäuſcht wird. Nein, Herr Otte, lie⸗ ber will ich bleiben, wie ich bin, als irgend etwas von der Stiefmutter mir aneignen.

Nicht doch, mein Fräulein! Ich fürchte, Sie gehen zu weit, ſagte Otte.Gute Lehren ſind beherzigens⸗ werth, auch wenn ſie von einer Seite kommen, wo ſie nicht immer durch gutes Beiſpiel unterſtützt werden. Ob Stiefmutter oder nicht, bleibt ja Frau Werner doch immer die rechtmäßige Gebieterin dieſes Hauſes, und

wenn Sie das unbehagliche Vorurtheil gegen ſie nicht