Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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auch ſie ihre Andacht zum heiligen Weihnachtsfeſte hat! Damit küßte ſie Julie, nahm dann mit frohem Selbſtgefühle ihren neuen Pelzmuff und ging mit Ma⸗ rien nach der Kirche.

Als Julie allein war, legte ſie das Buch auf das Fenſterbret, faltete die Hände im Schooß und ſtarrte wehmuthig und gedankenvoll in den hellgrauen Schneehimmel hinaus. Sie war heute bläſſer als ſonſt, und ihre ſchönen, lebhaften, geiſtvollen Augen etwas trübe, als ob auch ſie eine ſchlummerloſe gedanken⸗ ſchwere Nacht durchwacht habe. Ihr feines Köpſchen hing ſo ſchwer und ſchlaff zur Seite, wie eine Blüthe, die ein rauher Wind geknickt, und die mehr geiſtigen und beredten als ſchönen Züge verriethen nun eine wirkliche Wehmuth. Ihr kleiner ſchmaler Fuß trom⸗ melte ungeduldig auf dem Schemel und ihrem Buſen entſtiegen einige mühſam gedämpfte Seufzer.Ach ja, Käthchen hat recht! Das leidige Geld! flüſterte ſie, ſtand dann auf und ging unruhig im Zimmer auf und ab. Wer ſie ſo ſah, die ſchlanke zierliche Geſtalt von Mittelgröße, deren Ebenmaß ſich in der ſchwarzſeidenen Robe, die bis zum Hals geſchloſſen war, ſo vortheil⸗ haft hervorhob; wer die feine dünne Naſe mit den be⸗ weglichen Naſenflügeln, den kleinen Mund mit den fei⸗ nen ſchmalen Lippen, das ſchöne ſchlanke Oval des Ge⸗