46 Freundin Marie. Am erſten Morgen eilte ſie zu dem Pfarrer. Außer ſich vor Schmerz war ſie, als ſie erfuhr, daß Carl bis zum Sterben krank geweſen ſey. Wie pries ſie Gott fur ſeine Geneſung!„Ma⸗ riechen,“ ſagte der Pfarrer, im Innerſten der Seele geruͤhrt,„denke nicht mehr an Carln, ſo iſt's beſſer fuͤr Dich und ihn. Ihr ſeyd nun keine Kinder mehr, und Euer Verhaͤltniß hat ſich geaͤndert. Gott yat Euch getrennt und Ihr ſollt in der Welt verſchiedene Wege gehen. Bedenke wohl, was Du Deinen Eltern ſchuldig biſt. Der ſchwerſte Gehorſam, den Du ihnen leiſteſt, iſt der herrlichſte und ruͤhmlichſte. Das eben iſt die edelſte Tugend, welche die Reigungen des Herzens beſiegen kann.“ —„Das waͤre Tugend,“ erwiederte ſie, „wenn ich Carln nicht mehr liebte? Lehr⸗ ten Sie's mich nicht, daß der Chriſt auch ſeine Feinde lieben muß? Carl hat mich nie beleidigt. Geht der Gehorſam, den Sie von mir fordern, nicht uber meine Kraͤfte? Nein, nein, die Suͤnde kann und
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