Druckschrift 
Gefangen und befreit : vaterländisches Gemälde aus den Jahren 1806-1814 / von Julius Mühlfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

255

ſeinen Truppen; Alles, was nicht mit konnte, mußte lie⸗ gen bleiben, und der Weg zum Rheine glich bald dem Rückzuge aus Moskau.

Verwundete und Kranke lagen an allen Wegen und kamen elendiglich um, da die erbitterten Dorfbewohner keinen der verhaßten Feinde unterſtützten. Schwärmende Koſacken beunruhigten fortwährend die Weichenden und machten, da man ſich nicht aufhalten konnte, ſie zu ver⸗ treiben, Beute über Beute.

Nicht eher hatte Napoleon Ruhe, als bis er den Rhein im Rücken hatte. An dieſem Fluße langten auch bald darauf die Verbündeten an, und da ſie, im Grunde einen Kampf auf Frankreichs Boden fürchtend und ſich ſelber durch den Feldzug erſchöpft fühlend, nicht gern den Rhein überſchreiten wollten, machten ſie Napoleon Frie⸗ densvorſchläge, die dem franzöſiſchen Reiche ſeine angeblich natürlichen Grenzen laſſen ſollten. Aber Napoleon, immer noch hoffend, das Glück noch einmal feſtzuhalten, machte Ausflüchte, hinter denen die Verbündeten neue Tücke ſei⸗ ner Politik vermutheten. So ward der Uebergang über den Rhein beſchloſſen, und Blücher in ſeinem Glauben, nur der gänzliche Sturz Napoleon's könne den Frieden Europas garantiren, und ſchon lange auf den Uebergangs⸗ befehl hoffend, machte ſich eiligſt zum Aufbruch bereit.

In der Mitternachtsſtunde des letzten Dezembers ließ er ſein Heer an drei Orten überſetzen, während