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Gefangen und befreit : vaterländisches Gemälde aus den Jahren 1806-1814 / von Julius Mühlfeld
Entstehung
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man ſich im Familienzimmer verſammelt, um nach Tiſch ein wenig zu plaudern, neue Zeitungen zu leſen und nach⸗ her den Faffee einzunehmen. Zwei alte Damen ſaßen an den Fenſtern, die eine an einer Stickerei arbeitend, die andere emſig an einem Spinnrade beſchäftigt. Wie in der Arbeit zeigte ſich auch in dem Aeußeren der beiden Frauen ein großer Unterſchied, und, während die eine in einem geſchmackvollen dunkeln, aber modiſchen Anzug gekleidet war, trug die andere die einfache Tracht der Landbewoh⸗ ner. Aber dennoch ſchien eine ſchöne Uebereinſtimmung zwiſchen ihnen zu herrſchen, denn unbekümmert um den jungen Mann, der im Divan lehnte und eifrig in einem Buche las, ſprachen die beiden Damen heiter und gemüth⸗ lich miteinander, und die Züge der feinen, vornehmen Frau wurden immer freundlicher und milder bei den naiven und einfachen Geſprächen der anderen.

Endlich legte auch der junge Mann ſein Buch aus der Hand und lauſchte der Unterhaltung, ohne ſich jedoch einzumiſchen, und auch ſeine Züge überflog es wie Son⸗ nenſchein, wenn er die Harmonie der beiden Alten bemerkte.

Nach einer Weile kam eine junge ſchöne Frau in das Zimmer, ein Kaffeebrett und einige Zeitungen tragend, welches erſtere ſie auf dem Tiſche niederſetzte. Dann trat ſie leiſe zu dem jungen Manne, wobei wir bemerken, daß ſie mit dem linken Fuße ein wenig hinkt, und ihn zärtlich anſchauend, ſagte ſie liebevoll:Hier, Albrecht, ſind die