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Gefangen und befreit : vaterländisches Gemälde aus den Jahren 1806-1814 / von Julius Mühlfeld
Entstehung
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mit ſeinen Armen und bedeckte die bleichen Lippen mit unzähligen Küſſen.

Johanna, Du hier? O Du edle Tapfre, haſt ihn ſelbſt mitgefochten den Kampf der Entſcheidung! rief er glühend, ſie von Neuem mit Küſſen bedeckend; aber Jo⸗ hanna erwiderte nichts, ihr Körper, den Albrecht noch immer feſt umſchlungen hielt, ward ſo ſchwer und ſteif, die Augen waren geſchloſſen Johanna lag ohnmächtig in den Armen des Geliebten.

Entſetzt ſprang Albrecht auf und mit dem Schreckens⸗ ruf:Sie ſtirbt, ſie ſtirbt! blickte er angſtvoll um ſich, ob er nirgends Hülfe gewahre. Jetzt erſt bemerkte er, was er im erſten Augenblicke des Wiederſehens ganz überſehen hatte, daß Johanna am Fuß verwundet ſei und ſie nicht im Stande geweſen war, ſich zu erheben. Schrecklich, ſo hilflos zu ſein! Was ſollte er anfangen, wie dem theu⸗ ren Weſen Rettung und Hülfe ſchaffen?

Da ſah er einen einzelnen Mann mit eiligen Schrit⸗ ten über das Schlachtfeld gehen; ſeine Uniform verrieth den Feldarzt, und Albrecht erkannte ſofort den ihm bekann⸗ ten Feldſcheer Karl Braune, welcher in ſeinem Regimente ſtand. Ein Strahl der Hoffnung ſenkte ſich in des Lie⸗ benden gequältes Herz, er rief mit lauter Stimme den Feldſcheer herbei und bat ihn, den verwundeten Kameraden zu verbinden. Braune erkannte die Wunde als eine nicht

1860. VIII. Gefangen und Befreit. 16