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Gefangen und befreit : vaterländisches Gemälde aus den Jahren 1806-1814 / von Julius Mühlfeld
Entstehung
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Spitze des Reiches geflüchtet, und mit bangem Herzen ſah die edle Louiſe dem furchtbaren Augenblicke entgegen, wo ſie als flüchtige Bettlerin mit ihren Kindern die Schwelle der Heimat übertreten und in Rußland Schutz würde ſu⸗ chen müſſen vor den Verfolgungen des unerſättlichen Siegers.

Noch aber war nicht alle Hoffnung aufgegeben wor⸗ den, das Reich zu retten, noch ſtand ja Magdeburg, die ſtärkſte und berühmteſte Feſtung Preußens, die ſich im dreißigjährigen Kriege durch ihre heldenmüthige Verthei⸗ digung unſterblichen Ruhm erworben hatte.

Noch ſtand Magdeburg, die letzte Hoffnung des unglücklichen Königspaars, und 24.000 Mann mit 800 Kanonen waren bereit, ſie zu vertheidigen. Außerdem brauchte man auch eine langwierige Belagerung nicht zu fürchten, da ungeheure Vorräthe an Pulver und Pro⸗ viant in den Magazinen aufgehäuft lagen.

Und Magdeburg war eine tapfere Feſtung, die dem Feinde nicht freiwillig die Thore öffnete; das hatte ſie im dreißigjährigen Kriege bewieſen, wo ſie nur nach lan⸗ ger Belagerung durch Sturm genommen worden war, und wo die Stürmenden über die Leichen der Vertheidi⸗ ger ſich den Weg in die Stadt erkämpfen mußten.

Ueber Alles dieſes ſprachen die beiden Liebenden, denen wir auf ihrem Spaziergange begegneten, und an