„Du haſt mich verſtanden, Frieda— ſo iſt es,“ erwiderte der Freiherr und faßte die Hand ſeiner Schwe⸗ ſter; zürne mir deßhalb nicht, Alte, wenn ich Dir Deine Freude zerſtören muß— gern geſchieht es nicht!“
„Den letzten Stern meines alten Lebens“— mur⸗ melte ſie weiter, ohne auf ihren Bruder zu achten;— dann aber plötzlich ſich emporrichtend, zwang ſie ihre Ruhe zurück und frug kalt:„Muß es ſein, Curt?“
„Es muß, Frieda!“—
„So nimm ſie hin,— möge ſie glücklich werden, wenn ſie ihre Pflicht erfüllt.“
„Ich hoffe es! Brandach iſt wohl kein böſer Menſch, und ſcheint Anna wirklich zu lieben— wer ſollte ſie auch nicht lieben? Auch Anna zeigte nie Ab⸗ neigung gegen ihn, und Du weißt es ja aus Erfahrung, Frieda, daß die Ehen, wenn ſie auch ohne glühende Liebe geſchloſſen wurden, deßhalb nicht immer unglück⸗ liche werden. Anna erfüllt die Pflicht gegen ihr Haus, ſorgt treulich für die Ehre desſelben, wie ihre Geburt und ihr Stand mit ſeinen Pflichten es fordern; ſie wird auch die Pflicht gegen den Gatten zu erfüllen wiſſen.“
„Anna iſt eine echte Harder— ſie kennt ihre Pflicht und beſitzt auch unſeren Stolz, der der beſte Damm und Schutzpfeiler gegen die Miſerè iſt. Unſer Leben iſt oft ein glänzendes Elend, eine erhabene S


