38
Fräulein ein Geheimniß haben, wenn Sie ſo freundlich mit uns armen Luten ſind. Nein, den Ernſt betrifft es nicht,— aber— meine arme Marie“— fuhr ſie unter heißen Thränen fort,—„ach, meine arme Marie, die iſt ſo unglücklich!“—
„Marie, Ernſt's Schweſter?— Was ſagen Sie da, ich denke, der geht es in der Reſidenz recht gut. Ernſt hat mir davon erzählt, daß ſie bei einer großen Dame Zofe ſei, ihren Namen hatte er nie behalten können,— und daß ſie ihre Mutter ſo ſorgſam unterſtütze. Was iſt's mit Marie?— Sprechen Sie doch, Frau Wendt!“
Die Alte weinte ſchmerzlich und erwirerte unter heißen Thränen:„Ja, ja, ſo war es Alles, o, und wir waren ſo glücklich! ſie dort, Ernſt hier, ich in meinem Hüttchen und Alle gut verſorgt, und nun iſt Alles aus. — Mein armes, armes Kind!—
„Aber was iſt denn geſchehen, Frau Wendt?“
„Ach Gott, gnädiges Fräulein,— das kann und darf ich Ihnen nicht erzählen— ich mag Sie nicht ver⸗* letzen mit der That der Schuld— die mein armes Kind ſo elend gemacht hat!“
„So ſprechen Sie doch, Frau Wendt, vielleicht kann ich hülfreich ſein, ſprechen Sie frei, ich kann Alles hören.“— „Marie iſt aus der Reſidenz zurück, und nun liegt
6 3


