wir haben ſchon früher von dem unerfreulichen Zu⸗
ſtande unſeres Hauſes geſprochen und leider muß es heute noch einmal geſchehen. Die Wunden von damals ſind drohender und klaffender noch, ja ſie ſind unheil⸗ bar geworden, ohne einen tüchtigen Arzt, und dieſer Arzt muß ſchnell kommen, wenn der Patient ſich nicht ver⸗ bluten ſoll.“—
Gertrud neigte ſchweigend das Haupt und ver⸗ ſuchte umſonſt die Thränen zurückzudrängen.„O mein Gott, mein Gott,“ klagte ſie ſchmerzlich, wohin iſt es mit uns gekommen!“—
„Verzage nicht, Gertrud, der Arzt muß kommen, er muß ſchleunig kommen, und Alles iſt gerettet.
„Noch iſt unſere Ehre glänzend und hell, wie das Wappenſchild unſeres Hauſes, und in unſrer Hand liegt es, daß es nie anders werde. Wenn Anna ſchnell verheiratet wird, ſind wir gerettet, und die Stürme, die uns jetzt bedrohen, ziehen machtlos vorüber.“
„Alſo gibt es keine Rettung mehr, außer dieſem letzten Mittel— keine auf der ganzen Welt, als die Verheiratung des armen kranken Kindes?“—
„Keine, Gertrud. Wir ſind ruinirt und ein klei⸗ ner,— der kleinſte unvorhergeſehene Zufall läßt alle Minen ſpringen,— vernichtet die Ehre unſeres Hauſes, ſchändet mich zum Banquerotteur, und jagt uns Alle


