23
ringen, und Rieſenkräfte können erlahmen an ſolchem fruchtloſen Kampfe.
Doch je mehr den Freiherrn die äußeren Verhält⸗ niſſe drängten, je ſchwieriger ſeine Lage ward und je höher ſeine Verbindlichkeiten ſtiegen,— um ſo hartnä⸗ ckiger verſchanzte er ſich hinter dem Stolz ſeines Stan⸗ des. Nie drang ein Wort der Klage über ſeine Lippen, nie vergaß er auch nur auf einen Augenblick die ſtolze Ruhe ſeines Standes— und kein fremdes Auge hätte den ſichtlichen Verfall ſeiner Geſtalt einem andern Grunde zuſchreiben können, als dem Rechte des Alters, das über Kaiſer und Baron— wie über den Bettler mit gleicher Machtvollkommenheit ſchaltet.
Das Leben auf Hardersberg nahm ſeinen gewohn⸗ ten Fortgang. Die Familie war gaſtfrei und liebens⸗ würdig wie immer, und jeder Fremde willkommen. Nur hatten die Feſte jetzt gänzlich aufgehört und auch dafür gab es beim Freiherrn einen guten Grund, den alle Nachbarn achten mußten.
Anna's ſchwankende Geſundheit ſchien ſich nur auf dem Schloſſe Tante Frieda's wieder erholen zu können. Das zarte Mädchen fröſtelte in den Mauern Harder⸗ bergs, wo jede Minute ſie an die Sorge der theuren Eltern erinnerte,— und ſie hatte deßhalb auf Wunſch ihres Vaters für jetzt ihren Wohnſitz völlig bei Tante


