Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Entstehung
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waren, und der alten Mutter die Laſt des Alters er⸗ leichterten.

Nun brauchte ſie nicht mehr Stunden lang nach ſchwerer Arbeit zu laufen und Abends hungernd und er⸗ mattet heimzukehren wo ihrer doch keine liebende Hand wartete und keine Suppe für ſie gekocht war: denn ihre Kinder ſorgten für ſie und ſie ſaß zufrieden am Spinnrade und ſpann einen ſoliden Hausfaden, für den ihr der Weber im nächſten Städtchen zwar nicht viel, aber

etwas doch bezahlte.

So hatte Mutter Wendt in ihren alten Tagen ein Glück gefunden, wie es ihr in der Jugend kaum ge⸗ träumt hatte, und ihr Auge ſchaute ſo friedlich heiter und klar in die Zukunft hinaus, wie noch nie in ihrem Leben. Denn von der Kindheit an hatte ſie nur die Sor⸗ gen und Entbehrungen kennen gelernt, hatte ſtets in Sorge leben müſſen für das Morgen, ohne oft am Heute noch geſättigt zu ſein, und ſo erſchien ihr der Zuſtand ihrer ärmlichen Wohlhabenheit, in den ſie die Liebe ihrer Kinder verſetzt hatte, wie ein Paradies, wie das erſehnte Land der Verheißung, von dem ſie in der alten groß⸗ ſchriftigen Bibel geleſen hatte, die ihr einziges Buch und Familienerbſtück war.

So war es geweſen bis vor wenigen Wochen und heute?