Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

glänzend blickte, und ſie ſandte ihm einen Diener ent⸗ gegen, daß er ihn ſtützen möge auf den Treppenſtiegen. Freudig bewillkommnete ſie ihn ſelber, wünſchte ihm mit bewegter Stimme Glück zu ſeiner Geneſung und konnte nicht müde werden, ihn anzuſchauen, der ihr nie ſo ſchön und reizend erſchienen war, als heute, wo die Bleiche der Schwäche und Krankheit noch Sitz hielt auf den zarten Zügen. Die halbe Hilfloſigkeit, die den Ge⸗ neſenden noch Tage lang anhängt, kleidete ihn reizend, und die ſtolze Ophelia ſelber war unermüdlich beſorgt, ihm beizuſtehen und ſeinen Sitz in der weichſten Ecke des Divans ſo bequem als möglich zu arranziren. Unermüd⸗ lich forſchte ſie, ob wohl noch ein Kiſſen als Stütze nöthig ſei, und die dankenden Blicke des Reconvalescenten, der noch in Gewohnheit war hilfsbedürftig zu ſein und, durch den Weg wirklich ermüdet, Alles geduldig über ſich ergehen ließ, färbten ihre Wangen mit einem ſeltenen Roth des Glückes und der Frende. Hans bemerkte es erſtaunt, und zum erſten Male kam ihm eine Ahnung, daß die ſtolze Tochter Silber⸗

manu's ihn lieben könne. Jetzt erinnerte er ſich aller

Kleinigkeiten und Einzelheiten aus ſeinem Verkehr mit Silbermann, und einzelne Worte und Andeutungen, die er früher als bloße Maximen des Geld⸗ und Geſchäfts⸗

mannes achtlos belächelt hatte, gewannen ihm Bedeutung,