Marie, welche im Vorzimmer den Angſtſchrei ver⸗ nommen hatte, eilte herbei, trug mit Anfwand aller Kräfte die Signora zum Divan hin, löſte die Gewänder uud ſuchte mit ſtärkenden Eſſenzen das ſtockende Leben neu zu wecken.
Nach vielen Bemühungen gelang dieſes endlich; die Signora ſchlug die Augen auf und ihr Blick eilte unſtät im Gemache umher. Endlich ſchien ſie ſich zu be⸗ ſinnen, die erſchreckende Bleiche ihrer Züge ward mit glühender Röthe übergoſſen, und heftig winkte ſie der Zofe, ſie allein zu laſſen⸗
„Aber bedürfen auch Signora—“
Ein ungeduldiges Zeichen unterbrach die ſchüch⸗ terne Frage und Marie mußte gehorchen.
„Verlaſſen!“— murmelte die Italienerin und die⸗ ſes Wort trieb ſie wieder vom Ruheplatze empor.
„Verlaſſen!“ knirſchte ſie, und alle ihre Schwäche war verſchwunden;— verlaſſen! doch warum und um weſſentwillen?— Welling— der Name Welling— und die Tochter wollten ihr nicht aus dem Sinne und was ſie geſtern Abend bereits bangend geahnt hatte, ſchien ihr jetzt immer mehr zur Gewißheit zu werden.
„Und es ſoll doch nicht ſein!“ flüſterte ſie grimmig, „es ſei denn ein Kampf auf Leben und Tod! Hütet Euch, Ihr Deutſchen— ein Kampf mit der Italienerin!“—


