Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

auserkaunt hätte mit dem Scharfblick der Liebe; noch

immer kam Hans nicht und raſtlos rückte der unbarm⸗ herzige Zeiger weiter, raſtlos flog die Zeit dahin, mit jeder neuen Minute die Qual der Signora erneuernd.

Vergebens verſuchte ſie zu leſen, vergebens am Pianoforte durch Geſang ſich zu zerſtreuen, er mußte ja endlich doch kommen er konnte ſie ja doch nicht ver⸗ laſſen haben! Die Unruhe trieb ſie immer von Neuem zur Uhr zurück, zu deren geheimnißvollen Zeigern ſie aufblickte mit Furcht und Entſetzen, in ſchwebender Pein. Und er kam noch immer nicht.

Langſam ging die Signora im Gemache auf und nieder, den quälendſten Vorſtellungen Raum gebend. Da hob die Uhr von Nenem aus und eilf ſilberhelle Schläge erzitterten langſam und feierlich die Luft.

Als ob ſie ein Geſpenſt ſähe, ſtarrte die Signora zu dem Zifferblatte hin, mit weit vorgeſtreckten Ar⸗ men das Schreckliche abzuwehren verſuchend: umſonſt, die Stunde war um, und nun konnte er nicht mehr kommen.

Verlaſſen! ſtöhnte ſie,verlaſſen! ſchrie ſie mit der Kraft der Verzweiflung. Hoch auf wogten die Wellen des Blutes, die Bruſt erſtickte unter der Macht der fluthenden Empfindungen: und ſinnlos ſtürzte ſie auf den Boden nieder.