192
— noch oft ſchämen müſſen, daß er nichts weiter thun kann, als die Hände in den Schooß legen. Herr Alwin Rauh ſitzt am Pulte und ſchreibt eifrig, es iſt gerade Niemand weiter im Comptvir. Alles iſt ſtill, nur die Comptoiruhr läßt ihr nimmer raſtendes Tik⸗tack vernehmen und die Feder des Herrn Rauh hört man über das Papier raſcheln. Da unterbricht Brunner die Stille und ſagt herzlich: „Herr Rauh, ich habe gar nichts, auch gar nichts mehr zu thun.“ Es lag in dem Tone ein leiſer Vorwurf und eine innige Bitte. „Ich ſehe es wohl,“ antwortete Herr Alwin achſel⸗ zuckend und die Stirn in Falten legend. „Wird es,“— Herr Brunner hält inne—„wird es immer ſo bleiben?“ Das Zittern der Stimme, das dieſe Worte beglei⸗ tete, der Ausdruck von Wehmuth, Furcht und Vertrauen, der auf dem alten ehrlichen Antlitz des Fragenden lag, wurden der Beobachtung des Herrn Rauh entzogen, denn all ſein Augenmerk gehörte der Frage ſelbſt. Er richtete ſich empor, wie man es thut, wenn man plötzlich etwas ganz beſonders Intereſſantes um ſich vorgehen ſieht. „Herr Brunner,“ ſagte er endlich,„ich kann Ihnen


