Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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Alle heißes Blut, das darfſt Du nicht ſo übel nehmen, liebe Frau. Der Junge iſt im Grunde gut, und wird noch der vernünftigſte Kerl von der Welt werden. Glaub' mir's, Hermine, ich kenne die Harder's!

Eben trat dieſe in das Zimmer. Sie hatte Toilette gemacht und ſah neben dem eisgrauen Gatten viel eher einer Tochter als ſeiner Gattin ähnlich. Blond, mit blauen Augen, verband ſie damit einen durchſichtigen Teint, deſſen zartes Roth wie mit Roſenduft überhaucht erſchien. Ihre Züge waren regelmäßig, doch wenig mar⸗ kirt, und ſo kam es, daß Frau von Welling öfter für ſehr unbedeutend gehalten wurde, beſonders von Denen, welche ſie zum erſten Male ſahen. Auch beſaß ſie nicht

die manchen Frauen ihres Ranges ſo oft eigenthümliche

Weiſe, ſich mit dem ihrem Geſchlechte galant überlaſſenen Rechte überall hervorzudrängen und Ton angeben zu wollen. Ihr Weſen war beſcheiden, und nur wer länger mit ihr ſprach und die Gediegenheit ihres Charakters und Wiſſens entdecken konnte, die ſie nie zur Schau trug, doch auch nicht prüde verbarg; wer ſie vor Allem im Verkehre mit ihrem greiſen Gatten beobachten konnte, dem ſie mit der zürtlichſten Liebe anhing und mit ſorg⸗ ſamſter Aufmerkſamkeit die Eigenheiten des alten Sol⸗

daten achtete, nur der fand in dieſen anſpruchsloſen Zü⸗