Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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bei Dir bin, dann möchte ich Alles, Alles da draußen ver⸗ geſſen, all' den Schmerz und das Unglück unſeres Hauſes, ſammt all' den Opfern, welche ſie mit ſich bringen.“

Tante Frieda richtete ihr Auge auf das junge Mäd⸗ chen und ſah ſie an mit einem Blicke, ſo eigenthümlich for⸗ ſchend, als wollte ſie bis in die Tiefe ihrer Seele dringen.

„Du biſt alſo in Deinem Brautſtande nicht glücklich, mein Kind? Du gehſt dieſer Verbindung, von der ſie mir Alle ſo viel Schönes ſchrieben, Du ſelber ausgenommen, nicht aus Neigung und nicht dem Zuge des Herzens fol⸗ gend ein, ſondern dem Vorthei e des Hanſes zu Liebe, von deſſen nicht ganz ſicheren Grundlagen ich allerdings auch bereits gehört habe?“

Tante Frieda's Stimme war weich geworden, und ſie ſchien bewegt, wie ſie Anna noch nie geſehen hatte. Das fühlende Herz der Tante, die da Jahr aus Jahr ein ein⸗

ſam auf ihrem Schloſſe ſaß und Zeit hatte über die

menſchlichen Gefühle nachzudenken, fing an das Opfer zu begreifen, welches Fe junge Mädchen der Ehre des Hauſes brachte, dem uuch ſie entſtammte— und ihre Augen netzte ein feuchter Schimmer. Anna neigte ſich zu ihr nieder, Thränen glänzten in ihren Augen, und weich, doch mit Faſſung, ſagte ſie: „Du haſt es errathen, oder vielmehr Deinem Scharſſinre blieb es nicht verborgen! O Tante,