Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

231

deſſen Schönheiten ja das einzige Weſen, welches er an⸗ betend verehrte, ſo ſehr erfreuten.

Der Morgen graute kaum und noch ruhten feuchte Nebel, die treuen Gäſte der Küſtengegenden, beängſti⸗ gend auf den Fluren und hüllten das Schloß in düſtere Schleier, und doch wachte Ernſt ſchon und ſchaffte mit Rechen und Meſſer in den Gängen und auf den Blu⸗ menbeeten.

Ein Platz beſonders war es, der ſeine ganze Auf⸗ merkſamkeit in Anſpruch nahm.

Unter einer kleinen zierlichen Laube, die, auf einer leichten Anhöhe gelegen, die Ausſicht auf die weite See geſtattete, ruhte eine friſche wohlgepflegte Moosbank, ein Sitz mit bequemen Lehnen und ſo zart und ſauber wie der geſchickteſte Künſtler nur ſie verfertigen konnte. Vor der Laube blüheten die herrlichſten Blumen des ganzen Gartens im reichen Flore, und Alles war ſo ſchön und ſinnreich arrangirt, wie nur die Liebe es kann, die Liebe, die da lebt und ſtrebt, um zu erfreuen und zu beglücken. Sier auf dieſer Stelle hatte Anna im vorigen Som⸗ er lange Stunden geſeſſen und hinausgeblickt zu den blauen Wellen, auf deren ſchwankenden Kronen buntge⸗ wimpelte Schiffe ſich wiegten. Dieſe Stelle war ihr Lieblingsplatz geweſen, ſo einfach, einſam und rauh er auch damals ſich gezeigt hatte— und Ernſt's Sorge