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ihren Flor über das Antliz des Tages zu breiten angefangen. Arvid ſaß allein dort, düſter und ge⸗ dankenvoll.
„Wie geht es Emy?“ fragte er in einem Ton, welcher die frühere lebensfriſche Herzlichkeit gänz⸗ lich vermiſſen ließ.
„Mit dem Fieber hat es ſich gegeben, und der Doktor erklärt, daß ſie nunmehr außer eigentlicher Gefahr ſei, nur muß ſie ſich noch vollkommen ruhig verhalten.“
„Das wäre recht gut, denn ſo wie es jezt iſt, vermag kein Sterblicher es hier auszuhalten.“
Arvid ſtand auf und begann im Zimmer auf und abzugehen, ohne Hildur näher zu treten.
„Was meinſt, Du Arvid?“
Es war ſo dunkel, daß Arvid Hildurs Blick nicht ſehen konnte; aber in der Stimme lag ein eigen⸗ thümlich ſchmerzhaftes Beben. Er ging auf ſie zu und faßte des Mädchens beide Hände, indem er mit einiger Bitterkeit ſagte: 2
„Hildur, Du liebſt ſo Viele; Deine Zuneigung iſt getheilt, daß bis es an Allen herumkommt, ich den lezten Plaz in Deinem Herzen einnehme. Ich aber gern eine Frau haben, welche nur mich iebt.“
„Was Du da ſagſt, iſt nicht Dein Ernſt,“ er⸗ wiederte Hildur leiſe.„Ich verlaſſe ja Alles und folge Dir.“
„Nein, Du verläßt mich, um Emy abzuwarten,
welche nicht einmal Deine Schweſter iſt. Du wirſt in Zukunft Deine Heimath und Deinen Mann ver⸗ laſſen, ſobald der erſte Ruf von ihr, auf welche
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