Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

Vergeblich ſtellte ihm Becker vor, daß ein ſolches Thun Anmerkungen und Tadel erregen würde; er hörte nicht darauf, ſondern gab nur zur Antwort:

Stirbt ſie, ſo ſterbe ich mit. Lebt ſie, dann iſt mein Name ein ſicherer Schuz gegen jede Verleum⸗ dung; begehren Sie nicht, daß ich leben ſoll, ohne zum Mindeſten unter demſelben Dach' mit ihr zu ſein, da ich ſie nicht ſehen darf.

An Emy's Lager wachten Helene und Hildur. Der Schmerz der erſtern war in ihrer ganzen äußern Erſcheinung, in der Verzweiflung, die in ihren Blicken lag, zu leſen.

Hildur dagegen war ſo ſtill, ſo ſtill, und kein Wort, keine Klage bahnte ſich den Weg über die verſchloſſenen Lippen; aber in ihrem Auge, da kün⸗ dete ſich eine ſo auffallende Anhänglichkeit an, daß ſie zu Thränen rührte. Es lag etwas wirklich Spre⸗ chendes in dieſer ſtummen Betrübniß.

Selma ſah ſich dadurch gezwungen, den Perſo⸗ nen, welche Erkundigung über den Zuſtand Emy's einzogen, Geſellſchaft zu keiſten.

Arvid kam, um ſeine Braut zu begrüßen und einige Tage auf Lundagard zu verweilen.

Jene ſo unglücklich unterbrochene Reiſe hatte zum Zweck gehabt, Einkäufe für Hildurs Hochzeit zu machen.

Hildur, welche ſehr ſelten von Emy's Lager wich, wußte nur hin und wieder einen kurzen Augenblick zu erübrigen, um ſich Arvid zu widmen. In einem ſolchen Augenblicke, da Emy gerade ſchlief, ſtahl ſich Hildur hinweg in den Sagl.

Es war Abend. Die Dämmerung hatte bereits