Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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hatte weiße Zähne und ein ſtudirtes Lächeln, wel⸗ ches ſtark an ein altes Sprichwort erinnerte, das alſo lautet:Koſte nicht von dem, was allzu ſüß iſt; es gleicht oft Honig, iſt aber bitter wie Galle. Dunkelbraunes, wohlgepflegtes Haar ſchloß ſich ge⸗ nau um eine Stirne an, welche nur auf ſehr mittel⸗ mäßigen Verſtand ſchließen ließ; der ganze Kopf war klein, und klein war beſtimmt die Seele, welche darin weilte. Sie ſtand als Geſellſchaftsfräulein im Dienſte der Gräfin.

Haben Sie, Frau Gräfin, bereits von der hüb⸗ ſchen und anziehenden Frau Waldén, der Gattin von dem Inſpektor des Grafen Ruben gehört? fing Fräu⸗ lein Meluſine mit zarter und lispelnder Stimme an.

Welche Frage? Wie ſoll ich von dergleichen Volk hören? antwortete Sappho ſtolz, zündete eine parfümirte Cigarette an und begann zu rauchen.

Das verſteht ſich, daß die gnädige Frau Gräfin ſich weder für dergleichen Perſonen intereſſiren, noch von ihnen zu hören bekommen, ſofern deren Name nicht mit andern von Rang verknüpft iſt, und ich bitte deßhalb um Verzeihung, daß ich einen ſo trivialen Geſprächsgegenſtand aufgenommen habe.

Das Fräulein ließ einen ſchielenden Blick auf die Gräfin fallen und ſchwieg.

Sappho's leicht erregbares Angeſicht wechſelte mehrmals die Farbe. Sie warf den Kopf zurück, ſo daß die golden glänzenden Locken das Angeſicht frei ließen; dann ſtimmte ſie, um ihre Gewüthsbe⸗ wegung zu verbergen, ein Gelächter an und ſagte: Liebe Meluſine! Ich höre an Deinem Tone