Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

266

häufte, und in vollkommener Disharmonie mit Allem, in ihr und außer ihr; ſo beſchloß ſie denn, den Herbſt und Winter auf ihrem ſtattlichen Landſitze zu⸗ zubringen und ſich ſo weit herabzulaſſen, daß ſie an Arthur die ſchriftliche Bitte ſtellte, ſie dort zu beſu⸗ chen und ihr bei einigen Reformen zum Beſten ihrer Untergebenen hülfreich an die Hand zu gehen.

Noch war Sappho keine Antwort zugekommen, da ſie allerdings über Stockholm an den Grafen ge⸗ ſchrieben, und im Uebrigen von ſeinem dermaligen Aufenthalt durchaus keine Kunde hatte.

Die Gräfin war bereits vierzehn Tage auf Löda, aber noch hatte Graf Arthur Nichts von ſich hören laſſen. Es war ein warmer Auguſtabend. Die Glas⸗ thüren des Parterreſalons waren geöffnet und Sappho ruhte, halb liegend, auf einem demſelben gegenüber befindlichen Pompadour. Steif und mit einem eigen⸗ thümlich ſchmachtenden und geſuchten Weſen, ſaß eine jüngere Dame an einem der offenen Fenſter.

Iſt Dir, mein lieber Leſer, ſchon einmal eine Ge⸗ ſtalt begegnet, welche Dir als der Typus einer Gouvernante oder Geſellſchaftsdame erſchien, ſo haſt Du eine klare Vorſtellung von Fräulein Meluſine B. Sie war lang, etwas ſchief, und trug ihre Arme, als ob dieſelben bei den Ellbogen ihr an die Seite feſtgebunden wären. Die Hände waren ſchmal und weiß, aber ſie bewegte dieſelben, als wenn ſie ſich naß an den Fingern fühlte. Das Angeſicht war mehr rund als oval, mit einem Paar hübſchen blauen Augen und einer Naſe, welche deſſen, was man ſonſt Naſenbein nennt, gänzlich ermangelte und mit ihrer kleinen Spize himmelan ſtrebte. Der Mund