Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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es mir, als ſei ich nicht mehr eine Geächtete und Verſtoßene, welche durch eine grauſame Pflicht ge⸗ nöthigt iſt, ihr Leben getheilt zwiſchen Verzweiflung und Haß dahin zu ſchleppen.“

„Haß, Helene?“— Emy ſah ihre Freundin an — Haß? Kann Dein Herz dem Haſſe Raum geben? Nein, das iſt nicht möglich.“

„Ich will nicht ſchaden, ich räche mich nicht; aber ich kann nicht verzeihen,“ antwortete Helene bitter;„nicht verzeihen alle jene Niederträchtigkeiten, alle jene Verfolgungen— unmöglich.“

Emy faßte Helenens beide Hände und ſah ſie mit einem ſo warmen, ſo reinen Blicke an, daß es ſchien, als wollte ſie alle Finſterniß und Bitterkeit in der Seele der Freundin beſchwören.

„Bedenke, als Chriſtus, unter Mißhandlungen

und Verfolgungen niedergebeugt, blutend unter den

Händen ſeiner Henker zu Boden ſank, deſſen herrliche Worte: Vater vergib ihnen, denn ſie wiſſen nicht, was ſie thun. Denke an dieſe Worte denke an die Milde und Verſöhnlichkeit, welche darin liegt, und ſprich: Steht uns fehlenden Menſchen wohl das Recht zu, nicht zu vergeben, wenn Er mit ſeiner göttlichen Güte Solches uns lehrt? O, Helene, nimm' Deine Zuflucht zu dem Troſt, welchen das Chriſtenthum ſchenkt, nimm' Deine Zuflucht zu ihm,

und Du wirſt die Kraft daraus ſchöpfen, was Du gelitten, zu vergeſſen und denjenigen, welche Dir

Schaden gethan, zu vergeben.“ Helene ſaß ſchweigend da. Emy's Stimme hatte

etwas Eindringliches; es lag eine ſo wahrhafte

Ueberzeugung in ihren Worten, ein ſo e

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