Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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trauen auf Gottes Güte und Barmherzigkeit in ſich aufgenommen hatten: ſie konnte die Prüfung nicht ertragen, ſondern unterlag derſelben. Selbſt miß⸗ kannt endete ſie damit, Gottes Güte zu mißkennen, des Höchſten Gerechtigkeit zu bezweifeln, ſich einer finſtern, ſchauerlichen Troſtloſigkeit, einem bittern, höhnenden Argwohn zu überlaſſen. Anſtatt zu Gott ihre Zuflucht zu nehmen, um in ſeinem Schooße Troſt und Stärke zur Ertragung ihrer Leiden und ihres Unglücks zu finden, floh ſie von Gott hinweg und zweifelte an dem Daſein der ewigen Gerechtig⸗ keit. Der Kummer hatte Helenens Gemüth nicht gebeugt, nicht gemildert, er hatte es nur verhärtet und verbittert und Groll in ihrer Seele zurückge⸗ laſſen.

Während Helene ſich ihrem gewaltſamen Schmerz hingab, ſtieg Dora ans Land. Ein Blick auf He⸗ lene ſagte ihr ſogleich, in welchem Seelenzuſtande ſie ſich befand.

„Herr Gott, Frau Kahn, Sie drücken ja Ellen zu Tode!“ rief Dora mit verſtelltem Schrecken.

Helene fuhr zuſammen, küßte ihre kleine Tochter, wiſchte ihre Thränen ab und ließ das Kind los.

Dora nahm das kleine Mädchen auf die Arme und ſprach in ernſtem Tone:

„Wenn Ellen meine Tochter wäre, Frau Kahn, ſo würde ich mich wohl hüten, ihr Thränen aus den Augen zu preſſen und durch meine Bekümmerniß die Tage des Kindes zu verbittern; aber Jeder folgt eben ſeiner Gemüthsart.“

Helene ſah Dora an und ſchwieg; aber in ihrem

Herzen fühlte ſie die Worte wie glühende Kohlen,