246
ter darüber war, daß ſie Jemand hatte, mit dem ſie ſich unterhalten konnte.
Als Klara am Abend aufbrach und Hildur He⸗ lene von ihrer Mutter den Wunſch ausrichtete, am nächſten Tage Frau Kahn auf Lundagard zu ſehen, antwortete Helene zur Ueberraſchung von Klara und den Andern:
„Es wird mir ein wirkliches Vergnügen ſein, einen Beſuch auf Lundagard zu machen, und ich werde mich gewiß der Freude nicht berauben, mor⸗ gen daſelbſt einzuſprechen.“
Das Boot fuhr ab, und Helene ſaß am Strande, mit Ellen auf ihren Knieen und ſchaute ihnen nach. Das Kind lachte und ſchäkerte, aber die Mutter träumte, träumte ſchmerzlich.
Jezt hatte ſie alſo die Frau geſehen, welche von Arthur geliebt wurde. Helene fand, daß ſie an Schönheit hoch über ihr ſtand, und ſie begriff voll⸗ kommen, daß Arthur über Emy die Liebe vergeſſen hatte, welche er früher ihr gewidmet. Aber Helene wollte dieſe Frau näher kennen lernen; wolite in ihr Herz blicken, ihre heimlichſten Gefühle und Ge⸗ danken leſen. Siehe da die Veranlaſſung, welche ſie beſtimmte, ihre Einſamkeit zu verlaſſen.
„Wenn ſie jenes Ideal von Reinheit und Tu⸗ gend wäre, welches ich mir ſo oft geträumt habe,“
dachte Helene,„ſo wollte ich lernen, ſie zu lieben. Ach, ich würde noch einmal mein Herz der Neigung und Zärtlichkeit öffnen, und in meiner Seele könnte der Glaube an Tugend und das Gute wieder ein⸗ kehren.“
Jezt fuhr ein höhniſches Lächeln über ihre Lip⸗


