Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ne en ne e⸗ e⸗

Emy ſang drei Verſe, ohne daß das Rauſchen eines einzigen Läubchens den Geſang unterbrach. Es war als wenn die Blumen, die Vögel und ſelbſt die Blätter an den Bäumen andächtig dieſen Tönen gelauſcht hätten. Ja ſelbſt die Wellen ſchienen ſtill zu ſtehen und nicht zu wagen, ſeufzend am Strande ſich zu brechen, um nicht durch ihre wehmüthige Klage die Sängerin zu ſtören, und die Necken lauſchten ſicherlich dieſen Tönen, welche eine Sprache aus einer unbekannten, aber wunderbaren Welt redeten.

An der Thüre der Hütte ſaßen Helene und Klara, als die erſten

Töne von Emy's Geſang zu ihnen ge⸗ langten und bei der erſtern einen leichten Schauer erregten. Die kleine Ellen, welche am Strande ſpielte, ließ davon ab und blieb unbeweglich ſtehen, um zu lauſchen. Je länger Emy ſang, deſto milder wurde der Ausdruck in Helenens Angeſicht, und end⸗ lich floſſen Thränen über die bleichen Wangen.

Die lezten Töne verhallten. Helene verbarg ihr Angeſicht mit den Händen und weinte ſtill. Es war nicht eine wilde, gewaltſame Verzweiflung, ſondern ein ſtiller Schmerz, welcher das verſchloſſene und

verbitterte Herz öffnete.

Klara verhielt ſich ſtill und ließ ſie weinen. er nun erklang wieder Emy's Stimme, hold,

ſchmeicheld, mild, doch ſo wehmuthsvoll klagend, daß

ſie tief in die Seele griff. Emy ſang klar und deutlich:

„O, lebe wohl, die Nacht kommt, uns zu ſcheiden, Die öde Nacht, die dauert fort und fort,

Laß' flikhend mich auf leichten Wellen gleiten,

Die Hoffnung weilt nicht mehr an vie