gehe nun zu Helene hinab.“
Mit dieſen Worten entfernte ſie ſich.
Emy ſaß eine lange Weile da und ſchaute träu⸗ mend nach der See hinaus. Auf der weißen Stirne ſchwebte eine Wolke von Kummer und die Lippen umſpielte ein ſchmerzliches Lächeln. Sie machte eine Bewegung mit dem Kopfe, als wollte ſie die Ge⸗ danken verjagen, wovon ſie gequält wurde, und be⸗ gann dann mit ihrer klaren, friſchen und wunderbar ſchönen Stimme eine Volksweiſe zu ſingen, welche mit den Worten ſchloß:
„Kummer iſt groß, größer iſt Gott,
Größer als Erdenſchmerzen,
Fehlt Dir ein Freund, haſt Du doch Gott,
Faß' ihn mit Beinem Herzen.“ Biſt Du jemals in Deinem Leben, mein lieber
„Ich laſſe Euch hier,“ ſezte Klara hinzu,„und
Leſer, in eine hoffnungsloſe Verzweiflung verſunken geweſen, in eine vollkommene Gefühlloſigkeit für Gott und die Welt, welche er ſo ſchön geſchaffen hat; biſt Du einmal ohne Glauben an das Gute, ohne Hoff⸗ nung und ohne Liebe zum Leben geweſen; haſt Du Dich jemals in einem ſolchen Seelenzuſtande von lauter Finſterniß befunden, und biſt plözlich aus Deinen
düſtern Grübeleien durch einen ſchönen, ſeelenvollen
und melancholiſchen Geſang geweckt worden, welcher mit ſeinen Tönen alle Saiten Deines Herzens zum Beben brachte; dann weißt Du auch, daß derſelbe Dir wie eine Offenbarung aus einer Welt erſchien, welche Du vergeſſen hatteſt, und daß ſich unwillkür⸗ lich eine beſſere und mildere Gemüthsſtimmung Dei⸗ ner bemächtigte.
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