Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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Es war drei Uhr Morgens, als die Herren ſich wie⸗ der entfernten. Der Geiſtliche blieb allein bei mei⸗ ner Tante zurück; mit ihm beſprach ſie ſich noch über eine Stunde, und ließ ſich hernach das Abendmahl reichen. Dann ging ſie zur Ruhe.

„Am folgenden Morgen, um eilf Uhr, als die gerichtliche Vorladung erfolgte, trat ich in ihr Zimmer.

Klara ſchwieg und ſchauerte.

„Nun?“ fragte Frau Becker, athemlos vor Un⸗ geduld und peinlicher Spannung, in welche die Er⸗ zählung ſie verſetzte.

„Sie war todt,“ fuhr Klara tief ergriffen fort. „Sie hatte ſich die Pulsadern geöffnet. Helenens Kummer bei der Nachricht davon grenzte an Wahn⸗ ſinn, und es wäre vergeblich, ihn ſchildern zu wollen. Sie wurde inzwiſchen freigeſprochen und verſchwand kurz darauf, nachdem ſie eine Tochter geboren. Das Leben, das Helene die nächſten zwei Jahre führte, glich dem eines Geächteten auf Erden. Sie irrte umher und wich aller Berührung mit der Welt und den Menſchen aus, überließ ſich einer Betrübniß ohne Grenzen, einem Schmerze ohne Namen, einer Hoff⸗ nungsloſigkeit ohne Sonnenſtrahl.

„Sie ſchleppt ihre Tage dahin, weil es ihrer Mutter lezte Bitte war, daß ſie am Leben bleibe, aber das Leben, das ſie jezt führt, iſt ein langſamer Todeskampf. Ihre Seele iſt verſchloſſen für alle mildernden Gefühle, verſperrt für allen Glauben, alles Vertrauen auf Gott. Ihr Herz iſt von einer finſte⸗ ren, höhniſchen Verzweiflung umwallt, welche es für jeden zärtlicheren Eindruck unzugänglich macht. Ihre Liebe zu ihrem Kinde iſt bald ein wilder Schmerz,