Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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wollteſt es jezt durch hartnäckiges Feſthalten an einer ihr im Schmerz entfallenen Aeußerung zur Demuth und Reue zwingen!

Frau Trenner liebte ihre Tochter leidenſchaftlich, überhäufte ſie mit übertriebener Zärtlichkeit; aber die Aſſeſſorin hat dieſelbe nie recht erkannt und verſtan⸗ ſtanden. Selbſt von heftiger Gemüthsart und herrſch⸗ ſüchtigem Charakter, ſorderte ſie blinden Gehorſam von ihrem Kinde und ſuchte die Leidenſchaften des Mädchens durch ihre eigenen zu bezwingen, ohne je⸗ mals die verſchiedenen Quellen, aus welchen dieſel⸗ ben floſſen, in Betracht zu ziehen. Helene mit ihrer faſt maßlos überſpannten, ſchwärmeriſchen Gemüths⸗ art kam ihr oft unbegreiflich vor, ohne daß die Mutter Scharfſinn genug beſaß, um die Uebertrei⸗ bungen, welche daraus hervorgingen, oder den Ur⸗ ſprung ihrer leidenſchaftlichen Gefühle mit Klarheit aufzufaſſen.

Niemals hatte eine Mutter ihr Kind grenzen⸗ loſer geliebt, als Frau Trenner; aber niemals war auch eine Mutter minder fähig geweſen, einer Toch⸗ ter von Helenens Gemüthsart und Charakter die Er⸗ ziehung oder Richtung zu geben, welche deren Anla⸗

gen erheiſchten. Heienens glühende Leidenſchaften durften ſchon in ihren Kinderjahren überwallen und begegneten niemals einem Hinderniß, als wenn ſie mit denen ihrer Mutter in Widerſtreit geriethen, und da mußten ſie zurückweichen. Die beſtändige Ebbe und Fluth in des Mädchens Gefühlen fand keine ilſame Ableitung, ſondern wurde nur auf Augen⸗ hde und gewaltſam eingedämmt. Helene wiederum liebte ihre Mutter nicht mit *