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ein junges Mädchen von ungefähr achtzehn Jahren vor einer Staffelei, auf welcher ein fertiges Ge⸗ mälde ſtand, welches die Verſtoßung Pſyche's durch Amor vorſtellte.
Das junge Mädchen hatte die Augen auf das Gemälde geheftet, und in ihrem Blicke lag ein ge⸗ miſchter Ausdruck von Liebe, Schmerz und Verzweif⸗ lung. Ihre Bruſt hob ſich lebhaft und das Blut kam und ging auf ihren Wangen. Es ſchien, als ob ſie in einem innern gefährlichen Streite begrif⸗ fen wäre.
Auf der Schwelle eines angrenzenden Zimmers ſtand eine ältere Frau und beobachtete das Mäd⸗ chen mit Theilnahme. Dieſe Frau hatte in ihrem
Ausſehen etwas Vornehmes, jedoch deutete nicht ein
Zug an, daß ſie einſt ſchön geweſen. Sie war ſehr groß von Geſtalt und trug den Kopf hoch, was eben ihrem Aeußern etwas Stolzes und Gebietendes gab. Die bald ſtrengen, bald ſanften dunkelbraunen Au⸗ gen ſchienen durch ihren wechſelnden Ausdruck ein zu gleicher Zeit zärtliches und wieder hartes Herz zu verrathen. Der kleine Mund mit ſeinen⸗ſchmalen Lippen hatte einen beſtimmten Ausdruck, welcher von einem feſten Charakter Zeugniß gab. Zugleich lag in den Zügen etwas Bewegliches, das auf ein ge⸗ fühlvolles, aber heftiges Gemüth ſchließen ließ.
Nachdem ſie das Mädchen eine Zeit lang be⸗ obachtet hatte, rief ſie:
„Helene!“
Helene fuhr zuſammen, wandte den Kopf nach
der Thüre und ſtand auf.


